In der Textilbranche gehören die Retourenquoten zu den höchsten im gesamten Einzelhandel. Treiber dieser Entwicklung sind die enorme Variantenvielfalt an Größen, Farben und Stilen sowie ein Konsumverhalten, bei dem das Anprobieren zu Hause mittlerweile zum Standard geworden ist.
Wer Retouren nicht effizient abwickelt, blockiert Bestände, verliert Umsatz und verursacht Abschreibungskosten, die die meisten Händler bis heute nicht ernsthaft quantifiziert haben.
Was „Retourenabwicklung“ tatsächlich bedeutet
Eine Retoure ist keineswegs nur ein Artikel, der ins Lager zurückkehrt. Es handelt sich um eine Ware, die identifiziert, geprüft, bewertet und wieder in den verfügbaren Bestand wiedereingegliedert werden muss, bevor sie erneut verkauft werden kann. Jeder dieser Schritte stellt spezifische Anforderungen – und die Bekleidungsindustrie bildet hier keine Ausnahme.
- Identifikation: Welcher Artikel ist zurückgekommen – in welcher Größe, welcher Farbe und in welchem Zustand?
- Qualitätsbewertung: Kann die Ware direkt wieder in den Verkauf oder muss sie aufbereitet werden?
- Wiedereingliederung (Reintegration): Der Artikel muss im System der korrekten Artikelnummer (SKU) zugeordnet und unverzüglich für die nächste Bestellung freigegeben werden.
Dieser Prozess sieht auf dem Papier simpel aus, entwickelt sich bei hohem Volumen jedoch zu einer der personal- und arbeitsintensivsten Operationen in einem Textillager.
Omnichannel erschwert die Gleichung zusätzlich
Durch Omnichannel hat sich die Natur der Retouren grundlegend verändert. Händler sehen sich heute mit zwei unterschiedlichen Retourenströmen konfrontiert, die jeweils eigene Merkmale und Bearbeitungsanforderungen aufweisen:
- Retouren aus den Filialen treffen konsolidiert und in der Regel in kontrolliertem Zustand ein. Die Qualitätsbeurteilung erfolgt konsistenter und die Logistik der Bündelung ist vorhersehbarer.
- E-Commerce-Retouren treffen als Einzelartikel ein – verpackt von Kunden, deren Sorgfalt naturgemäß schwankt. Ein im Online-Shop gekaufter und retournierter Artikel wurde oft anprobiert, anders als ursprünglich gefaltet und ohne Schutz in den Karton gelegt. Er erfordert eine sorgfältigere Handhabung, teils sogar eine vollständige Wiederaufbereitung, bevor er wieder in den verkaufsfähigen Bestand übergehen kann.
Was die meisten Händler unterschätzen
Das häufigste Problem ist nicht das Fehlen eines Retourenprozesses an sich. Es sind die tatsächlichen Kosten dieses Prozesses, die oft unsichtbar bleiben, solange sie nicht systematisch erfasst werden.
Dauert die Wareneingangsprüfung und -aufbereitung zu lange, steht der Artikel nicht für den Verkauf zur Verfügung. Er stellt gebundenes Kapital dar – einen ruhenden Bestand. Auf das gesamte Sortiment hochgerechnet führt diese Nichtverfügbarkeit zu erheblichen Umsatzeinbußen.
Wird die Bearbeitung im Verhältnis zum Warenwert als zu teuer eingestuft, entscheiden sich einige Händler für die Liquidation oder gar die Vernichtung der Ware, anstatt sie aufzubereiten. Das ist sowohl ökonomisch als auch ökologisch eine Sackgasse, mit der sich die Branche erst jetzt ernsthaft auseinandersetzt.
Was Automatisierung konkret verändert
Automatisierung transformiert das Retourenmanagement in zwei wesentlichen Dimensionen:
Geschwindigkeit der Wiedereingliederung
Ein retournierter Artikel kann gescannt, seiner Referenz zugeordnet und an den richtigen Lagerort geleitet werden, ohne dass der Mitarbeiter lange Wege im Lager zurücklegen muss.
Die Wiedereingliederung kann im Batch-Verfahren erfolgen: Das System erstellt eine Liste aller einzulagernden Artikel und fordert diese sequenziell an der Bearbeitungsstation an. Was früher Stunden manueller Arbeit erforderte, wird in einem Bruchteil der Zeit erledigt.
Erforderliche maximale Flexibilität
Retourenströme sind nicht linear planbar. Sie weisen Spitzen auf, die durch Saisonwechsel, Werbeaktionen oder Qualitätsprobleme einer bestimmten Kollektion getrieben werden. Ein System, das dynamisch zwischen der Abwicklung von Warenausgängen (Outbound) und der Reintegration von Retouren (Inbound) wechseln kann, ermöglicht es, diese Spitzen abzufangen, ohne die Gesamtleistung des Lagers zu beeinträchtigen.
Erst diese Kombination aus Durchlaufgeschwindigkeit und kurzfristiger Skalierbarkeit bestimmt die reale Effizienz einer Retourenstrategie in der Bekleidungsbranche.
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